dWing — die Welt ist nicht gerecht

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Tagesrückblick 2010-02-21

Siddhartha fast durchgelesen, es bleiben mir noch 20 Seiten. Zwei neue Bücher bei Amazon bestellt: Personal Development for Smart People: The Conscious Pursuit of Personal Growth und Die Ausweitung der Kampfzone. Ersteres wurde mir von Mozilla Entwickler Markus Stange empfohlen und soll meine Motivation wecken. Na da bin ich mal gespannt.

Die Verfilmung von Die Ausweitung der Kampfzone finde ich super, nun bin ich auf das Buch gespannt. An sich ist die Mischung nicht gerade gut gewählt. Ein Buch das meine Motivation wecken soll, und dann noch eins welches über sexuelle Frustration schreibt und daher sicherlich die Stimmung wieder niederschlägt.


Insgesamt enttäuscht mich das Leben zur Zeit sehr. Ich finde kaum etwas um meine eigene Existenz vor mir selbst zu rechtfertigen.

Zwei Wochen Praktikum vorbei, 8 Wochen stehen mir noch bevor. Ich weiß nicht wie ich es aushalten sollte.

Übernächste Woche erscheint Bad Company 2. Vorbestellt ist es, ich freue mich schon drauf.

Gelernte Hilflosigkeit

Vor einiger Zeit bin ich beim Wiki lesen auf zwei interessante psychologische Phänomene gestoßen und habe deren Eigenschaften gleich mit mir selbst verglichen. Erlernte Hilflosigkeit und Liebes-Schüchternheit. Die Liebes-Schüchternheit beschreibt, dass einige Männer unfähig sind eine Liebesbeziehung einzugehen. Es hängt damit zusammen, dass in der Gesellschaft die Männer dazu gezwungen sind die aktive Rolle zu übernehmen. Frauen mit solch einer Schüchternheit haben dagegen keine Probleme, denn sie müssen selbst nicht aktiv werden. Ich erkenne eine große Übereinstimmung mit mir selbst, auch wenn einige Punkte absolut nicht zustimmen.

Die erlernte Hilflosigkeit beschreibe ich am besten am Beispiel des Schülers. Dieser lernt durch eigene Erfahrung, dass sein Lerneinsatz nicht mit dem Ergebnis der Prüfungen korreliert. Er ist dabei hilflos der Willkür des Lehrers ausgesetzt und kann selbst die Notengebung nicht beeinflussen. Dies führt dazu, dass er auch in Zukunft keinerlei Anstrengungen leisten wird um die Situation zu beeinflussen, schließlich ist er ihr ja hilflos ausgeliefert. Dieses Phänomen trifft auf mich leider sehr zu. Sogar noch mehr, denn es beschränkt sich bei mir nicht auf bestimmte Gebiete sondern auf das ganze Leben. Wenn ich durch eigene Erfahrung zu dem Schluss komme, dass ich Glück im Leben nicht erreichen kann, egal wie sehr ich mich anstrenge so gebe ich jegliche Anstrengung auf. Schließlich ist das Glück des Menschen im Plan der Schöpfung nicht vorgesehen (Freud?). Wir wurden ins Leben geworfen und sind diesem hilflos ausgeliefert (Nietzsche?).

An sich sind dies ja keine guten Grundsätze fürs Leben. Wenn es für mich kein Glück im Leben gibt dann brauche ich auch nicht leben. In letzter Zeit bin ich sowieso des Lebens sehr müde.

So viel zur Selbstdiagnose. Für eine Selbsttherapie fehlen mir aber jegliche Ideen.

Zum Thema wissenschaftliches Arbeiten

Gäbe es zur Evolutionstheorie keine publizierte Literatur würde die Wissenschaft immer noch an die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel glauben

Ich empfehle auch einen weiteren interessanten Artikel. Leider ist alles was dort steht sowieso nicht wahr, denn es wurde ja nicht publiziert. Schade dass dieses Verlagsoligopol darüber entscheidet wie sich das Wissen entwickelt und in welche Richtung.

Was bedeuten Noten?

Noten. Für manchen bedeuten sie sehr viel, für andere nichts. Dennoch sind sie fester Bestandteil des Bildungssystems und auch anderen gesellschaftlichen Systemen. Aber was sagen sie denn aus? Dies möchte ich nun diskutieren ebenfalls wie ein Zitat, dass man oft im Zusammenhang mit Bildung hört: Man lernt für sein Leben. Dazu zwei kleine Anekdoten.


Lehrer A unterrichtet das Fach Software Design. Man könnte meinen dieses Fach hilft dabei sinnvolle und gute APIs zu entwickeln, die wertvoll für die professionelle Programmiertätigkeit sind. Der Schein trügt. Das Fach dient vielmehr dazu, dass Arbeiten mit Diagrammen zu lernen. Anstatt eine API zu programmieren wird diese als Diagramm gezeichnet. Dabei ist der Fokus ganz klar nicht auf der Qualität der entwickelten API sondern auf der Form des Diagramms. Somit lernt man aus dem Fach nichts fürs Leben. Denn selbst mit den schönsten Diagrammen und den besten Codegeneratoren kommt nichts gutes bei raus wenn die im Diagramm beschriebene API schlecht ist. Lehrer A hat zur Bildung folgende Meinung: er hält es für besser zehn Dinge aufzählen zu können, als fünf Dinge zu verstehen. Lehrer A schwärmt von RCS, kennt allerdings keine Versionskontrollsysteme neuer als SVN. Er behauptet Entwickler täten gut damit, die Ausgabe des CVS/SVN Schlüsselwortes $Id$ in eine Stringkonstante zu schreiben. Somit hätten Entwickler gewonnen wenn es um die Versionierung von ausgelieferter Software ginge. Dass $Id$ dabei nur die neueste Version einer einzigen Datei beinhaltet weiß er scheinbar nicht. Wenn doch, will er dann für jede zum Projekt gehörende Datei Stringkonstanten mit $Id$ versehen und diese dann im Versionshinweis des Programms ausgeben? Lehrer A mag viele wissenschaftliche Arbeiten verfasst haben und dabei etliche andere zitiert haben. Ich werfe ihm aber dennoch vor, dass er niemals in einem relevanten Projekt mitgearbeitet hat. Auf Deutsch: er ist ein Vollidiot.


Lehrer B hat zur Notengebung folgende sinngemäß wiedergegebene Meinung: Er hält nichts von Klausuren, bei denen gute Studenten gute Noten und schlechte Studenten schlechte Noten bekommen. Seine Idealvorstellung einer Notenverteilung ähnelt einer Gauss-Kurve. Ich werfe ihm stattdessen vor, dass er bei der Benotung immer ein Paar Würfel zur Hand hat. Lehrer B weiß nicht, dass eine nicht deklarierte Variable in Javascript den globalen Scope zumüllt. Er führt minutenlange Streitdiskussionen mit mir in denen er felsenfest behauptet dass ein von mir bereinigter Fehler in Firefox tatsächlich ein Maustreiberproblem sei. Erst kürzlich versuchte er falsche Tatsachen über PHP zu verbreiten die ich glücklicherweise durch zitieren der PHP Dokumentation widerlegen konnte. Auch Lehrer B kann nur mit folgendem Wort beschrieben werden: Vollidiot.

Inhaltlich glänzt die Lehrveranstaltung durch absolute fachliche Irrelevanz. Den Unterricht muss er auf Englisch halten. Durch seine mehr als mangelhaften Englischkenntnisse gestaltet sich dies sehr schwierig. Im Minutentakt muss er Wörter nachschlagen, oft verwendet er einfach falsche. Auch in diesem Fall kann man sagen: man lernt leider nichts fürs Leben. Einziger Trost: Die Hausaufgabe hat mich fit gehalten.


Lehrer A und B haben etwas gemeinsam. Ihre Klausuren bestehen aus reiner Auswendiglernerei. Die daraus resultierenden Noten spiegeln also nicht das wieder, was sie eigentlich sollten: Die dazugewonnene Fachkompetenz. In keinem der beiden Fächer war es überhaupt ansatzweise möglich etwas fürs Leben zu lernen, selbst wenn man es gewollt hätte. In diesen fällen lernt man für den Lehrer, für die Note oder für sonst etwas, sicherlich nicht fürs Leben. Wobei meine Ausbeute in beiden Fällen ernüchternd war, eine vier. Dabei ist die Note von Lehrer B bereits ein Semester alt, die aktuelle Klausur steht nächste Woche an. Die Aufgabenstellung dabei: Auswendiglernen von 30 bereits im Vorfeld veröffentlichten Fragen.


Da stellt sich wieder die Frage was der Wert von Noten ist, die durch solche Methoden zustande gekommen sind. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der Großteil der Studenten – mich ausgenommen – sowieso betrügen bei Klausuren. Ich sage, solche Noten sind absolut wertlos. Sie haben absolut keine Aussagekraft bezüglich Fachkompetenz des Studenten. Solche Noten sagen leider etwas anderes aus. Sie sind ein Maß dafür, wie weit sich ein Student diesem in sich korrupten System beugt, vor allem wenn der Student zum erreichen dieser Note auch noch falsche Tatsachen lernen und wiedergeben muss.

Im Hinblick darauf relativieren sich meine Vierer wieder. Mir fällt es leichter eine solche Note wegzustecken als mich diesem kranken System unterzuwerfen.


Aber irgendwo müssen diese Noten doch zählen, oder etwa nicht? Möglicherweise sind Noten ausschlaggebend bei der Arbeitssuche. In diesem Fall ist entscheidend was der mögliche Arbeitgeber will.

Will der Arbeitgeber einen engagierten Programmierer, der aus eigenem Bestreben heraus bei einem gigantischen Projekt wie Mozilla mitarbeitet und nebenher nur so zum Spaß neue Programmiersprachen lernt oder Quelltexte von Gnome, Mesa, 3D Treibern oder gar dem Linux Kernel liest?

Oder sind Arbeitgeber eher an Programmierern interessiert, die ohne nachzufragen das tun was man ihnen auferlegt, auch wenn dies falsch ist?


Ich bin stolz darauf, dass ich einfach ich selbst bin, dass ich eine eigene Meinung habe anstatt nur ein Roboter zu sein. Dennoch macht es mich traurig und verängstigt mich, dass es auf der Welt zu viele korrupte Systeme gibt die als Stolpersteine für Leute wie mich dienen. Einer davon das irrelevante und falsche Notensystem.

Allgemeinbildung: Ein Hindernis?

Gestern ist mir ein ziemlich guter Spruch zum Thema Allgemeine Schulbildung eingefallen:

Allgemeinbildung ist wichtig, allerdings darf Allgemeinbildung kein Hindernis auf dem Weg zur höheren Bildung sein

Damit meine ich ganz explizit das die allgemeine Schule, wie z.b. Gymnasium sich zwar bemühen sollte allgemeines Wissen zu vermitteln, aber es sollte kein Stolperstein auf dem Weg zur Hochschule, also zu Fachwissen sein.

Es sollte erst in der Hochschule aussortiert werden, damit z.b. jemand der unfähig ist mit Computern umzugehen kein Informationstechnik Studium absolviert. Es wäre falsch auf der allgemeinen Schule auszusortieren und somit brillanten Technikern und Naturwissenschaftlern ein Studium zu verwehren weil sie mit Literatur oder ähnlichem zur Strecke gebracht wurden.

Ganz im Gegenteil. Hauptaufgabe der allgemeinen Schule sollte es sein Stärken zu fördern da wo welche sind. Aber dennoch so viel andere Inhalte zu vermitteln wie möglich ist, ohne das dadurch die Stärken in Mitleidenschaft gezogen werden.


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