dWing — die Welt ist nicht gerecht

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Kreditfinanzierter Überkonsum

Ein Freund hat mir vor Kurzem einen Artikel zum lesen vorgeschlagen. Sehr interessant. Ein Begriff ist mir dabei ganz besonders aufgefallen, der die seit längerem existierende Weltwirtschaft beschreibt

Kreditfinanzierter Überkonsum

In einer Welt ohne Geld

Eine kleine Erweiterung zu meinem vorherigen Eintrag.

In einer Welt ohne Geld gibt es kein Urheberrecht, keine Patente, keine Firmengeheimnisse. Aus diesen Gründen gibt es auch keine proprietäre Software.

Es gibt keine Konkurrenz. Stattdessen gibt es Zusammenarbeit.


Ich höre manchmal die Aussage, Konkurrenz würde Innovation antreiben. Manchmal stimmt es. Manchmal aber entsteht ein Monopol welches in der technischen Entwicklung stehen bleibt.

Die Sache ist doch die. Wenn man in Innoviert, dann nur um seine Marktmacht zu stärken, nur um mehr Gewinne zu erzielen. Innovationen die nicht genug Geld einbringen werden nicht weiterentwickelt.

Ich halte dieses Konzept für grundsätzlich falsch. Man sollte nicht Innovieren des Geldes wegen, sondern der Innovation wegen. Weil es das Richtige ist zu tun.

Eine Welt ohne Geld

Ich werde schon seit längerem vor allem von Studienkollegen wegen meiner Welt- und Politikauffassung kritisiert und verarscht. Die Leute machen sich lustig indem sie immer wieder die Sprüche Open Source ist die Lösung oder Schaffen wir einfach das Geld ab von sich geben.

Ich will nun die Gelegenheit einfach nutzen um zu erläutern warum ich das aktuelle monetaristische System für schlecht halte, wieso ich Geld als Hindernis betrachte und was alles besser wäre wenn es dieses Hindernis nicht gäbe.


Thema Arbeitsmarkt. Ich bin der Meinung, dass der Monetarismus hier sehr einengt. Ich stelle einfach mal die These in den Raum: Ohne Geld gäbe es keine Arbeitslosigkeit.

Aktuell hören wir immer mehr von Kündigungen und Teilzeit Arbeit. Fakt ist, dass Arbeitskraft Geld kostet. Aus diesem Grund versuchen Firmen stätig die Arbeitskraft auf ein Minimum zu reduzieren. Manche Firmen können Arbeitskraft nicht bezahlen weil sie nicht genug Geld haben, andere wiederum schaffen Arbeitsplätze ab um höhere Gewinne zu erwirtschaften.

Geldmangel oder Geldgier führen dazu, dass nicht genug Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Geld ist auch der Grund weshalb manche Leute Arbeit verrichten die sie hassen.

In meinem Menschenbild hat jeder Mensch besondere Fähigkeiten und den Willen einer gewissen Tätigkeit nachzugehen. Wie verschieden diese Tätigkeiten auch seien mögen. Ich habe einige Freunde die sich immer lautstark über Langzeitarbeitslose beschweren die nicht arbeiten wollen. In meinem Menschenbild will grundsätzlich jeder Mensch arbeiten. Die Frage ist nur was. Ich selbst will auf keinen Fall in der Pflege arbeiten müssen wenn mich der Monetarismus dazu zwingt indem es keine andere Möglichkeit gibt.

In einem System ohne Geld würde jeder seiner Wunschtätigkeit nachgehen. Man wird nicht zu etwas gezwungen was einem nicht liegt. Man wird auch nicht aufgrund von Geld abgewiesen und daran gehindert seiner Wunschtätigkeit nachzugehen.


Thema Klima. These: Gäbe es kein Geld würde jeder in einem gut isolierten Haus wohnen, würde jeder ein Elektroauto fahren und es würden keine Fossilen Brennstoffe mehr benötigt.

Technisch sind alle diese Sachen möglich. Es sind genug Rohmaterialien und Energie vorhanden um diesen Traum in recht kurzer Zeit umzusetzen, nur wird es nicht gemacht. Geld ist das Hindernis.

Jedes Haus könnte Modernste Heizungstechniken und solare Elektrizitätsversorgung besitzen. Es gibt genug Firmen die diese Dinge produzieren, genug Handwerker die nichts lieber tuen würden als von Grund auf ein Gebäude zu erschaffen. Doch diese Menschen sind arbeitslos weil niemand genug Geld hat um sich so etwas bauen zu lassen.

Es ist technisch möglich jede Energie regenerativ zu gewinnen. Allerdings wird es nicht gemacht weil es zu teuer ist. Fossile Energie ist immer noch billiger, also will kaum einer in regenerative investieren obwohl es das Richtige wäre.

Bereits jetzt sind eine Menge neue Autos fertig produziert und könnten veraltete Umweltverschmutzer ablösen. Dennoch stehen die Autos ungenutzt vor den Werken weil sie nicht verkauft werden. Weil die Leute kein Geld haben oder es sich wirtschaftlich nicht rentiert ein neues Auto zu kaufen.

Ohne Geld hätten die Beschäftigen mehr Arbeit und jeder Mensch ein Modernes Auto.


Behauptung: Ohne Geld würde sich die Kriminalität halbieren. Nehmen wir an, dass die Hälfte der Verbrechen nur des Geldes wegen verübt werden. Ein Viertel der Liebe wegen und ein weiteres Viertel wegen Religion.

Gäbe es kein Geld, müsste niemand wegen Geld töten. Ohne Geld würde es keinen Diebstahl geben.

Außerdem bin ich als Wissenschaftler der Ansicht, dass die Menschheit endlich Religionen überwinden sollte. Selbst Linguistisch schließen sich die Wörter Wissen und Glauben aus.


Ich selbst als Wissenschaftler strebe immer danach mich selbst und die Welt in der ich lebe zu verbessern. Leider verhindert Geld diesen Fortschritt. Ich habe oft mit veralteten Systemen zu kämpfen. Systeme werden aber nicht erneuert weil es Geld kostet. Hardware und Software gleichermaßen kostet Geld. Selbst in der Open Source Welt wo Lizenzgebühren wegfallen wird nicht aktualisiert. Denn Wartung bedarf Personal und dieses muss bezahlt werden.

In einer Welt ohne Geld hätte jeder aktuelle, stromsparende, effiziente und leistungsfähige Hard- und Software.

Wissenschaftler allgemein währen nicht in ihrer Forschung eingeschränkt.


In einer Welt ohne Geld würde Technologie jeglicher Art konstant weiterentwickelt. Jeder hätte Arbeit indem er z.B. neue Technologien erforscht, diese umsetzt oder aufbaut. Es würde Arbeitsplätze im Recyclingsektor schaffen um veraltete Häuser, Autos oder Geräte wiederzuverwerten.


Und ein kleiner ITS Insider: In einer Welt ohne Geld hätte jeder seinen eigenen OLED bestückten Ultrastick mit Netzhautscan und Drahtloser Verbindung zu einem serverseitigen OpenID ähnlichen Datenaustauschsystem.

Leider wird es so etwas im Monetarismus nie geben, da es einfach zu teuer wäre. Firmen würden nicht in Aktualisierung ihrer momentanen Hardware investieren und Benutzer würden nicht so viel Geld dafür ausgeben.

Ich denke wir sind uns einig dass ein solches System grundsätzlich richtig wäre und unser Leben bereichern würde. Dennoch wird es das nie geben, weil es Geld gibt.

Weil Geld Fortschritt, Innovation und Vollbeschäftigung blockiert.

Kapitalismus = Planwirtschaft++

Jetzt wo so langsam die Autoindustrie wegen ihrer eigenen Unfähigkeit zu Grunde geht kommt bei mir irgendwie wieder dieser Gedanke hoch. Scheinbar haben die Hersteller schon seit einiger Zeit auf Halde produziert. Auf Halde produziert. Irgendwie kommt mir der Spruch aber nur im Zusammenhang mit Planwirtschaft bekannt vor. Aber wenn man es sich einmal durchdenkt ist der Kapitalismus eigentlich das selbe. Oder sogar noch schlimmer.

Bei der Planwirtschaft gab es 5 Jahres Pläne oder so ähnlich. Entweder kam es dann vor, das man sich in eine riesige Warteschlange hat eintragen müssen um Jahre später sein Auto zu bekommen. Oder aber es wurden Produkte eben auf Halde produziert weil niemand da war der sie gekauft hat.

Hm... Mehr Nachfrage als Angebot. Das kennen wir doch auch aus dem Kapitalismus. Dann wird einfach der Preis angehoben bis die Nachfrage weit genug herab gegangen ist. Also bekommen nur die Reichen ihr Produkt und alle anderen müssen darauf eine Ewigkeit warten, und dann auch noch sehr viel Geld dafür bezahlen. In der Planwirtschaft wurde sicherlich die Elite auch bevorzugt bedient. Danach allerdings wurden die Produkte zu normalen Preisen verkauft.

Und was passiert mit auf Halde produzierten Gütern? Da fehlt mir ehrlich gesagt das geschichtliche Detailwissen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass dann diese Produkte auch zu günstigeren Preisen verkauft wurden. Denn die Arbeiten haben eh ihr Geld bekommen, egal ob sie was verkauft haben oder nicht. Heute sieht es ähnlich aus. Die Autokonzerne machen eh pleite, egal ob sie die Tausende von Autos auf der Halde losbekommen oder nicht. Trotzdem fallen die Preise nicht annähernd so wie es sein sollte. Meine Freunde meinen jetzt wären Autos total billig zu haben. Überall gäbe es Schnäppchen. Schwachsinn! Auch jetzt noch kostet ein Kleinwagen 16 Tausend aufwärts. Das nenne ich nicht billig. Erst gar nicht wenn die Firma dahinter so gut wie pleite ist und eigentlich jeden Wagen weghauen sollte solange er noch nen Euro dafür bekommt. Ob die Autos nun auf der Halde weiter vor sich hin rosten oder von irgendjemandem anstelle eines noch älteren Autos gefahren werden ist doch egal.

Und nochmal zum Wort Plan in Planwirtschaft. Klar folgt der Kapitalismus auch einem Plan. Kein Fünfjahresplan. Vielleicht Einjahresplan oder Quartalsplan. Und der Plan lautet: Mehr Absatz als zuvor, mehr Gewinn als zuvor. Und dieser Plan ist diesmal nicht aufgegangen. Ich finde es gut. Manche Leute müssen einfach gegen eine Wand fahren um zu merken was los ist. Hoffentlich wird es dadurch jetzt besser.

Revolution, Evolution oder Stillstand?

Schon öfter habe ich über übertriebene Abwärtskompatibilität in Software geschimpft und Stillstand kritisiert. Jetzt bin ich selbst zum Opfer von Stillstand geworden. Jetzt wurde schon mein zweiter Patch für NSPR abgelehnt. Die Begründung sieht in etwa so aus: Der Code ist veraltet und kaum jemand kennt sich aus. Aus irgendwelchen Gründen funktioniert der Code aber man sollte ihn lieber unberührt lassen damit das so bleibt. Falls trotzdem Fehler auftreten werden diese notdürftig geflickt. Dabei waren meine Änderungen nur Codevereinfachungen und Fehlerkorrekturen. Einige Warnungen wurden beseitigt damit diese nicht mehr von wirklichen Fehlern ablenken. Und entfernen von nicht mehr benutzten Makros, was das allgemeine programmieren vereinfacht. Dadurch wäre der Einstieg von möglichen Programmierern einfacher. Aber scheinbar wollen die Entwickler nicht das neue Leute einsteigen und die Software verbessern. Schade. Ich zumindest werde mich demnächst von NSPR Code fernhalten. Aber jetzt zur Frage, was ist eigentlich NSPR? NSPR ist die NetScape Portable Runtime. Ein Relikt aus den Anfangszeiten von Mozilla. Über zehn Jahre alt. NSPR definiert Plattform unabhängige Typen wie z.b. PRBool, PRInt64 uvm. Dinge die es schon seit Jahren im C99 Standard gibt. Darüberhinaus bietet es Funktionen zur Arbeit mit Threads, Speicherverwaltung, Dateizugriffe, dynamisches Linken und Zeitmanagement. Dinge die es schon im C++ Standard gibt oder bald geben wird. Oder Dinge die z.b. in Boost enthalten sind. Mit anderen Worten: NSPR ist obsolet.

Oder doch nicht? Denn einige Compiler unterstützen selbst den fast 10 Jahre alten Standard C99 nicht vollständig. Allen voran Microsofts Visual Studio. Aber hier ist es die Aufgabe von Microsoft den Standard zu unterstützen und nicht die Aufgabe der anderen um den fehlenden Standard herumzuprogrammieren. Genauso wie es die Aufgabe des IE Teams ist, richtig programmierte Webseiten richtig anzuzeigen. Es ist nicht die Aufgabe der Webentwickler ihre Webseiten absichtlich falsch zu programmieren nur damit eine obsolete Rendering Engine diese korrekt anzeigt.

Ich bewundere Leute die sich dafür einsetzen Code sauber und modern zu halten. Und irgendwie habe ich mitleid mit Leuten die eigentlich aus einem 3*3 Problem ein 1*1 Problem machen wollten aber am Schluss trotzdem dazu genötigt werden es zu einem 4*4 Problem auszuweiten. Im Klartext: Wir nehmen an es gibt 3 verschiedene Software Projekte die alle das selbe machen. Und irgendwie müssen sie auch miteinander arbeiten. Also enthält jedes Projekt Unterstützung für die anderen beiden. Damit kann es an 9 stellen zu Problemen kommen. Inkompatibilität und dergleichen. Einige der Projekte sind schon lange tot und werden daher nicht mehr gepflegt. Aber trotzdem programmiert jeder Unterstützung dafür ein. Man könnte aufräumen indem man eine einheitliche Lösung entwickelt und jeder wäre Glücklich. Leider nicht so ganz. Denn es gibt immer noch so viel tote Software die auf andere tote Software aufgebaut ist. Also wenn man ein totes Stück ersetzen möchte muss man trotzdem dessen Platz einnehmen und das tun was die tote Software getan hat. Man fügt also eine weitere Quelle möglicher Fehler hinzu und macht es damit zu einem 4*4 Problem.

Ich selbst bin sehr dafür Software so einfach wie möglich zu halten. Deswegen programmiere ich auch an Mozilla rum und nicht an Webkit. Weil Mozilla solche revolutionären Kräfte nötiger hat. Damit der Code mehr vereinfacht wird damit es zukünftige Programmierer einfacher haben wirklich wichtige Funktionen einzubauen. Leider ist es sehr schwer, wie mein Beispiel zeigt. Und leider habe ich auch eine zu schwache Persönlichkeit um dagegen anzukämpfen. Lieber gebe ich auf als noch aktiver darum zu kämpfen das die Software erneuert wird. Aber das ist nicht nur bei Mozilla so sondern bei vielen open-source Projekten. Möglicherweise ist das der Grund warum ich beruflich unbedingt in Richtung open-source gehen will. Weil ich so vieles verbessern könnte.

Allgemein bin ich auch einer ein Revolutionär als ein Evolutionär. Ich bin der Auffassung, das Revolution zu besseren Ergebnissen führt als Evolution. Man kann vor allem eine veraltete Software immer minimalst verbessern. Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht wo es nicht mehr sinnvoll weiter geht. Der Code ist zu kompliziert geworden. Selbst die normale Pflege wird ungemein erschwert. Es ist Zeit für komplett frisches Denken. Wenn ein komplett neues Konzept erschaffen wird, hat dieses um einiges mehr Potential, auch wenn es einiger Detailverbesserungen bedarf bis ein neues Konzept das alte überholt. Im Endeffekt ist es das dennoch wert.


Politisch bin ich auch eher Revolutionär. Stillstand wie unter der CSU Diktatur in Bayern ist sowieso schlecht. Auch diese langsame Evolution unter der großen Koalition bringt es nicht fertig das System an sich umzukrempeln und obsolete Gedanken zu verwerfen. Ein mehr revolutionäres System würde mir gefallen. Wo man Mut zu Änderung hat und nicht immer mit der Angst rumläuft die Großkonzerne oder Wohlhabenden könnten abwandern. Mit solch einer Einstellung wird es nie wirklich besser. Der Kern muss neu entwickelt werden um mehr Optimierungspotential zu ermöglichen. Genau wie bei Software.


Psychologisch ist dieses ganze Revolution oder Stillstand Thema sehr interessant. Denn in Wirklichkeit habe ich extreme Angst vor Unbekanntem und Fremdem. Ich bin nicht mal bereit neues unbekanntes Essen auszuprobieren. Ich kenne ein paar Dinge die mir schmecken und die esse ich. Neues probiere ich nicht aus. Auch im Urlaub kotzt mich die fremde Umgebung nach kürzester Zeit an. Ich will auch nicht von Zuhause wegziehen weil ich Angst vor Neuem habe. Es ist für mich auch sehr schwer neue Freundschaften zu knüpfen. Ich habe die selben Freunde seit Jahren. Auch neue Freunde seitdem ich an der FH studiere, aber das ist eine kleine Ausnahme von meiner neophoben Einstellung. Auch habe ich Angst irgendwann mal arbeiten zu gehen. Denn das ist auch etwas neues für mich. Und dann auch noch Steuern und sowas. Oh Nein!

Irgendwie ist es sehr interessant. Könnte es denn sein das meine extrem neophile Einstellung in der digitalen Welt als Kompensation meiner sehr neophoben Einstellung in der realen Welt dient?


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